Mittwoch, 9. März 2011

Oger über die unerträgliche Seichtigkeit des Bloggens

Es beschleicht mich seit geraumer Zeit das Gefühl, das bei RSP-Bloggers alles so vor sich hinplätschert. Klar gibt es täglich neue Posts, aber das meiste davon ist Werbung, Rezension, Nabelschau, Theoriegelaber, und allgemeine Motzerei. Nichts oder nur sehr wenig davon hat irgend einen Wert für mein Spiel, und ich bezweifele, das dies nicht anderen genauso geht. Was mir an den deutschen Rollenspielbloggern fehlt, sind produktive, konstruktive, abgefahrene und inspirierende Beiträge und Blogs, die ich direkt für mein eigenes Spiel verwenden kann. Und ich nehme mich noch nicht mal davon aus, ich produziere pro Jahr keine zwei Dutzend Beiträge. Schaut man hingegen in die englischsprachigen Blogs, findet sich ein wahres Füllhorn voller Ideen: Ancient Vaults, Jeff Rients, D&D with Pornstars, Bat in The Attic, und wie sie alle heißen. Nur um mal meinen Geschmack zu nennen. 

Sei's wie es ist, Gejammer mag ich genau so wenig, deswegen ein allgemeiner Aufruf: Kriegt eure digitalen Hintern hoch, schreibt auf, was Ihr an spielenswerten, verückten und konstruktiven Ideenschnipseln für Abenteuer, Kampagnen, Karten, Regeln, NSC, Zufallstabellen, eigene Charaktere, Welten, Monster habt, für welches Spiel auch immer, neu, gebraucht, angestaubt - mir egal. Bringt mal wieder ein wenig Leben in die Bude.

Kommentare:

TheClone hat gesagt…

Ich finde nicht, dass es im englischsprachigen Raum viel besser ist. Zumindest über RPG-Bloggers kommt wenig rein. Es ist höchstens basolut gesehen mehr, relativ gesehen nimmt sich das in meinen Augen kaum etwas. Es liegt halt auch in der Natur des Blog. Blogs sind primär ein Medium für "Gelaber", also Meinungsäußerungen, Kommentare oder was einem gerade durch den Kopf schießt. Das muss man nicht so machen (es gibt ja durchaus einige aufwendige und inhaltsreiche Artikel), aber meisten wird es so gemacht. Ein Beweis dafür ist dieser Artikel, dne ich gerade eben las: http://cyclopeatron.blogspot.com/2011/03/blog-readers-dont-want-creative-content.html

Wenn ich unser Blog angucke ist das nicht anders. Populistische Artikel ziehen im Allgemeinen(!) einfach mehr Leser als rechercheintensive oder hintergrundreiche Artikel oder gar Spielmaterial. Letzteres zieht auf einem Blog erschreckend wenig Aufmerksamkeit. Ist wie mir der Bild-Zeitung. Sei polemisch, sei platt, habe Leser. Man könnte meinen die Bild-Zeitung ist ein gedrucktes Blog. Ein schlechtes noch dazu.

Ich für meinen Teil (und ich kann hier auch für die herzlichen Mitblogger sprechen) will mich weiterhin bemühen qualitativ hochweritge Artikel zu schreiben. Die fehlende Resonanz macht das aber nicht gerade einfach.

Mal unabhängig vom Publikationsmedium und der Möglichkeit dafür genug Zeit zu haben: Hast Du selbst Interesse daran regelmäßig recherchierte Artikel, Spielmaterial, fundierte Tipps oder ähnliches zu veröffentlichen?

Taysal hat gesagt…

Unnützer Post, falls ich Dich richtig verstanden habe. :)

RSP-Blogs sammelt die Beiträge der deutschen Blogs und ist kein Blog oder Magazin, für das die anderen Blogs schreiben oder schreiben zu haben. In erster Linie schreibt jeder Blog für sich selbst und für seine Leser. Das RSP-Blogs die neuen Artikel dann listet ist toll, das war es aber auch schon. Wenn Dir an einem Blog etwas missfällt, dann gehörst Du einfach nicht zum entsprechenden Zielpublikum. Stell Dir die Blogs einfach als Zeitungen mit unterschiedlichen Ausrichtungen vor und RSP-Blogs als Kiosk, in dem die Zeitungen ausliegen. Dann passt auch Clones BILD-Vergleich ziemlich gut. Die Blogs bedienen unterschiedliche Neigungen und das ist auch gut so. :)

Sven hat gesagt…

@Oger
Die kreative Bequemlichkeit der Rollenspieler ist ja weithin bekannt. Die Schaffer sind und waren schon immer wenige, ich denke, das wird sich auch durch so ein Medium wie Blogs nicht ändern. Ich denke, dass ist im englisch-sprachigen Raum auch nicht anders, nur dass dieser halt ungefähr zehnmal so groß ist.

@Taysal
Dein Kommentar macht keinen Sinn.

Andreas (Sphärengeflüster) hat gesagt…

Hm, interessanter Eindruck. Ich muss gestehen, die Blog-Szene noch nicht lange regelmäßig zu verfolgen, dafür war sie mir bisher zu unübersichtlich und die Zeit nicht da. Was hier kritisiert wird, scheint aber ein Phänomen zu sein, dass mir grundsätzlich zu z,B. Zornhaus Blog bezüglich Fakten passt: früher war alles besser, die Leute waren noch kreativ, es gab nicht so viel publiziertes Material, man musste sich selbst mehr Dinge ausdenken, Kreativität des Spielleiters und der eigenen Runde war eine Tugend, während man heute mit Publikationen erschlagen wird und sich allgemein eine deutlich größere Konsumentenmentalität eingestellt hat.

Ich kann diese Meinung zum Teil nachvollziehen, würde aber die Gründe differenzierter sehen. In der englischsprachigen Community kenne ich mich nicht aus, aber die Größe macht da bestimmt viel aus, wie Sven gesagt hat. Nur kommen halt noch viele andere Einflüsse dazu: Wer vor fünfzehn Jahren kreativ war, hatte damals vielleicht die Zeit, weil er Schüler oder Student war. Wer heute mehr Konsument ist, tut das vielleicht, weil er nebenbei Job, Familie oder ein anspruchsvolles Studium führen muss. Wer erst in den letzten zehn Jahren mit dem Rollenspiel angefangen hat, bekam grundsätzlich die Kreative Mentalität der Anfangszeit gar nicht mit, weil es ja schon einen so großen Markt mit Publikationen für jeden Geschmack in beliebiger Menge gab - und natürlich ist auch die Konkurrenz durch z.B. Computerspiele heute eine ganz andere als vor 20 Jahren. Ich kenne auch kaum noch Leute, die sich zum Rollenspiel an sich als ihr hauptsächliches Hobby bekennen - es scheint heutzutage viel mehr Casual- und Nischenspieler zu geben, die sich einfach mehr auf den praktischen, wenig zeitaufwendigen Teil des reinen Spielens beschränken.

Der Oger hat gesagt…

@ Clone: Sehr interessanter Artikel. Ich fühle auch, das es irgendwie so sein muss, dennoch stört es mich. Ein Artikel wie dieser gärte schon länger in mir, der musste raus :-).

Und ja, ich will meinen Blog eher als Ansammlung von Spielmaterial verstehen, denn als Serie von meinungsmachenden Artikeln. Meine Lust irgendwas zu publizieren ist aber eher etwas schwankend, so das ich mir durchaus auch mal ein paar Wochen Pause gönne, wenn mir gerade nix einfällt.

@ Taysal: Ich bin mir der Ironie durchaus gestern schon bewusst gewesen, allein hier stand ich nun, ich konnte nicht anders. Prinzipiell hast Du mit dem Kiosk-Vergleich nicht unrecht, aber ich wäre gar nicht so unglücklich, wenn es denn tatsächlich nicht dieses gefühlte Missverhältnis zwischen "guten" und "seichten" Artikeln gäbe. Wo sind denn die DSAler, die Owodler, die Fateler, wenn es um neue Kreaturen oder interessante NSC, die Portraitierung einer Vampirstadt, einen Diaspora-Cluster geht? Klar gibt es sowas sehr vereinzelt, aber in der Regel ists doch: Nabelschau, Werbespam, Meinungsmache. Da ist ja selbst die BILD manchmal kreativer.

@Sven: Allein, ich wagte zu hoffen und träumen, das dies durch den Fall der Publikationsschranken anders sein möge. Aber ich merke gerade selber, das dies genau anders herum ist, das die Leichtigkeit des Bloggens eher das Gegenteil von dem produziert, was ich mir wünschte.

@Andreas: Ja, das ist ein ganz anderes Trauerspiel. Konsumentenhaltung vs. Eigenschöpfung, Kopisten vs. Schaffende.

Athair hat gesagt…

Hmmm ... wenn DSA-News wieder im Dutzend billiger auf RSP-Blogs auftauchen, dann kann ich mich deinem Artikel mit ungeteiltem Herzen anschließen.

Wer braucht sowas?